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Was müssen Darlehensnehmer beachten, wenn sie ihr Darlehen vorzeitig ablösen möchten?

Das Darlehen ist im Endeffekt ein Vertrag mit schuldrechtlichen Folgen. Dabei erhält der Darlehensnehmer einen im Vorfeld festgelegten Betrag, der vom Darlehensgeber zur Verfügung gestellt wird. Ein Darlehen wird immer auf eine – ebenfalls im Vorfeld – bestimmte Zeit festgelegt.

Ein Darlehen benötigt immer einen schriftlichen Vertrag. Dabei handelt es sich entweder um einen mittel- oder langfristigen Vertrag. Damit der Darlehensnehmer das Darlehen vorzeitig ablösen kann, müssen diverse Formulierungen im Vertrag vorhanden sein. Jene Formulierungen finden sich im Punkt „Sonderzahlungen“ oder auch im Passus „vorzeitige Ablösung“.

Welche Regelungen finden sich in einem Darlehensvertrag?

Damit ein Darlehensvertrag in Rechtskraft erwächst, müssen zwei gültige Willenserklärungen (Darlehensgeber und Darlehensnehmer) vorliegen. Der Darlehensgeber kann zudem auch Sicherheiten verlangen, die der Darlehensnehmer – noch vor Abschluss des Vertrages – vorlegen muss. Wird für die Laufzeit ein Zins verlangt, muss dieser im Vorfeld festgelegt werden. Die Höhe des Zinssatzes kann entweder nach dem Preisverzeichnis, nach den gesetzlichen Bestimmungen oder auch nach einer individuellen Vereinbarung festgelegt werden.

Zu beachten ist, dass neben dem Zins aber auch andere Kosten möglich sind. Dabei handelt es sich in der Regel um bankübliche Spesen – so kann die Bank Bereitstellungszinsen oder auch eine Bearbeitungsgebühr in Rechnung stellen. Im Vertrag müssen sich zudem noch Angaben über die Darlehenssumme, den Zinssatz, die Laufzeit, den effektiven Jahreszins, die Rückzahlungsraten und die Laufzeit befinden. Darlehensverträge sind daher oft sehr umfangreich; wichtig ist, dass alle wesentlichen Bestandteile im Vertrag enthalten sind, sodass es gar nicht erst zu Unstimmigkeiten kommen kann.

Kann das Darlehen vorzeitig abgelöst werden?

Der Darlehensvertrag endet zum vereinbarten Zeitpunkt – also mit dem Ende der regulären Laufzeit. Jedoch kann das Darlehen vorzeitig abgelöst werden. Strebt der Darlehensnehmer eine vorzeitige (außerordentliche) Kündigung an, muss er in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung bezahlen. Die Vorfälligkeitsentschädigung wird im Darlehensvertrag definiert. Jedoch gibt es auch Verhandlungsspielräume. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der Darlehensnehmer im Vorfeld Kontakt mit dem Gläubiger aufnimmt. Wesentlich sind vor allem die Gründe, warum das Darlehen vorzeitig abgelöst werden soll.

Welche Arten von Darlehen gibt es?

  • Festdarlehen: Die vollständige Tilgung wird zu einem vereinbarten Termin fällig
  • Ratendarlehen: Die anfallenden Zinsen werden über die gesamte Laufzeit auf die Tilgung angerechnet und in weiterer Folge in gleichmäßigen Monatsraten aufgeteilt
  • Annuitätendarlehen: Die monatliche Belastung bleibt ident, wobei der Tilgungsanteil steigt und der Zinsanteil sinkt
  • Tilgungsdarlehen: Bei dieser Variante verändert sich zwar nicht der Tilgungsanteil, jedoch werden die Zinsen nach dem aktuellen Darlehensstand ermittelt, sodass es zu unterschiedlichen Ratenvorschreibungen kommt
  • Sachdarlehen: Dem Darlehensnehmer wird eine Sache – für einen im Vorfeld festgelegten Zeitraum – überlassen; das Entgelt, das für die Verwendung vereinbart wurde, muss nach dem Ende der Laufzeit zurückbezahlt werden

Wie kann ein laufendes Darlehen abgelöst werden?

Entscheidet sich der Verbraucher für ein Darlehen, sollte er zumindest die Option wahren, dass er das Darlehen vorzeitig ablösen kann. Möchte er das Darlehen tatsächlich vorzeitig ablösen, sollte er im Vorfeld den Vertrag prüfen oder von einem Experten überprüfen lassen.

Zinsen unterliegen dem Markt und können nur sehr schwer auf einen längeren Zeitraum prognostiziert werden. Wird ein Darlehen mit einem Zins vereinbart, der nach einer bestimmten Zeit höher als der aktuelle Zins ist, so ist es ratsam, wenn der Darlehensnehmer das Darlehen früher ablöst.

Jedoch sollte dieser Schritt nur dann gesetzt werden, wenn im Vorfeld bekannt ist, wie hoch die anfallenden Kosten sind. Die Vorfälligkeitsentschädigung, die bei einer vorzeitigen Kündigung in Rechnung gestellt wird, sollte auf das neue Darlehen umgerechnet werden; so kann der Darlehensnehmer erkennen, ob eine vorzeitige Ablösung und Umschuldung sinnvoll ist oder nicht.

Die Aufnahme eines neuen Darlehens

Wird das bestehende Darlehen abgelöst, kann in weiterer Folge ein neues Darlehen aufgenommen werden. Wird der bestehende Vertrag in ein neues Darlehen eingebunden, kommt es zu einer besseren Übersicht der monatlichen Belastung, wobei in der Regel die monatliche Gesamtbelastung sogar reduziert wird.

Wird das neue Darlehen beim aktuellen Darlehensnehmer aufgenommen, kann dieser auf die Vorfälligkeitsentschädigung verzichten, da es zu einem neuen Vertrag gekommen ist. Jedoch ist es wichtig, dass der Darlehensnehmer auf etwaige Kosten achtet und auch den neuen Zinssatz überprüft.

Es ist ratsam, wenn Darlehensnehmer ihre Verträge überprüfen. Dabei empfehlen Experten eine regelmäßige Durchsicht der Unterlagen und auch regelmäßige Vergleiche mit anderen Anbietern. Findet der Darlehensnehmer einen Anbieter, der vor allem mit besseren Konditionen besticht, sollte eine Umschuldung durchgeführt werden.

Zu beachten ist, dass eine Umschuldung nur dann empfehlenswert ist, wenn keine höheren Kosten entstehen. Am Ende muss der Darlehensnehmer von der Umschuldung profitieren und keine Mehrkosten zahlen müssen. Hat das Darlehen nur noch eine kurze Laufzeit, verzichten die Darlehensgeber oft auf eine Vorfälligkeitsentschädigung. Somit kann der Verbraucher ein neues Darlehen beantragen und das alte Darlehen – ohne Bezahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung – tilgen.

Mit einer Umschuldung können Kosten gespart werden

Ein Darlehensvertrag muss wesentliche Details – wie etwa die Höhe des Darlehens, den effektiven Jahreszins oder auch die Rückzahlung – enthalten. Auch wenn im Vertrag eine festgelegte Laufzeit vorzufinden ist, kann es sinnvoll sein, wenn das Darlehen frühzeitig abgelöst wird.

Eine Umschuldung ist dann sinnvoll, wenn mehrere Verpflichtungen in ein einziges Darlehen umgewandelt werden sollen. So spart der Darlehensnehmer Kosten und erhält zudem einen Überblick über die aktuelle Finanzlage. Wichtig ist, dass vor der Umschuldung aber genau geprüft wird, ob und welche Kosten entstehen, sodass die attraktiveren Konditionen nicht von den entstandenen Spesen „aufgefressen“ werden.

Die Vorfälligkeitsentschädigung und diverse Bearbeitungsgebühren können sehr wohl für eine finanzielle Belastung sorgen, die unbedingt bei der Umschuldung miteinbezogen werden müssen. Anfallende Kosten, wobei hier auch sogenannte Ablösebeträge möglich sind, müssen daher in die neue Darlehenssumme integriert werden. So erhält der Darlehensnehmer eine Übersicht und kann feststellen, ob sich eine Umschuldung lohnt oder nicht.

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